Auftakt des Projekts „Baugemeinschaften als Impulsgeber für eine nachhaltige Stadtentwicklung“

Von jetzt an wollen wir auf dem Blog stadtgestalten.net und in einer begleitenden Forschung herausfinden, wie Baugemeinschaften eigene Strategien entwickeln und Unterstützung finden, um als Impulsgeber für eine nachhaltige Stadtentwicklung wirksam werden zu können. Auf dem Blog werden wir regelmäßig über Eindrücke und Erkenntnisse berichten. Außerdem wird in Kürze ein interaktiver Teil eingerichtet, der Baugemeinschaften und Interessierten zur Verfügung gestellt wird (siehe auch „… und was passiert noch?“). Doch erstmal wollen wir erzählen, worum es geht:

Wie sieht die Situation heute aus oder: Am Anfang steht die Recherche

Wir wollen verstehen, in welcher Weise Baugemeinschaften zu einer nachhaltigen Stadtentwicklung, die soziale und ökologische Gesichtspunkte berücksichtigt, schon jetzt beitragen bzw. ob und wie sie weitere Wege finden können, dies zu tun. Das Thema Wohnen spielt in Diskursen über Stadt und Stadträume eine wesentliche Rolle. Die Art, wie wir eine Stadt bewohnen, wirkt sich auf unser gesamtes Miteinander aus. Können Baugemeinschaften ein Motor der Gesellschaft sein, der Veränderungen in Richtung einer lebendigen und zukunftsfähigen Stadtentwicklung anstößt? Welche Netzwerke unterstützen sie dabei? Wie verorten sie sich im Stadtraum, welche Impulse geben sie in die Stadtgesellschaft und welche Impulse wollen sie hineingeben? Werden sie von kommunaler Seite ausreichend unterstützt oder sind es hauptsächlich nicht-staatliche Initiativen, die neue Formen des Wohnens, das zum Gemeinwohl beiträgt, voranbringen?

Denn Städte sind Orte eines unablässigen Wandels und sie werden in diesen Veränderungen stark durch diejenigen geprägt, die sie bewohnen und gestalten. Diese Gestaltung wird nicht allein nur „von oben herab“, also durch Kommunen und Politik, umgesetzt, sondern durch verschiedene Akteur*innen, die sich alle in der „urbanen Arena“ bewegen, ihre Spuren hinterlassen und neue Anstöße geben. Wir wollen diesen Spuren nachgehen und mit den Akteur*innen verschiedener Gruppen und Institutionen ins Gespräch kommen, um das Feld der Baugemeinschaften zu erkunden.

Am Ende der Recherche wollen wir insgesamt zehn Baugemeinschaften in Fallstudien genauer betrachten und mit ihnen gemeinsam herausfinden, was ihr Projekt ausmacht und auf welche Weise es zum Gemeinwohl, einer guten Nachbarschaft und einer lebendigen, nachhaltigen Stadtentwicklung beiträgt.

Kollaborative Zusammenarbeit I: Das Auffinden von Mustern bei Baugemeinschaften

Wie sieht ein Werkzeugkoffer für Projekte von Baugemeinschaften in einer idealen Stadt aus, in der unterschiedliche Gruppen und Menschen gerne wohnen, arbeiten, sich bewegen, Freiraum für Ideen haben und in der soziale, ökologische und ökonomische Aspekte ausgewogen berücksichtigt werden?

Um diesen, erst einmal utopischen, Werkzeugkoffer zu füllen, wollen wir in einem ersten Schritt Muster identifizieren und später eine Mustersprache entwickeln, die zeigt, wie dies gelingen kann. Diese Sprache können nicht Einzelne entwickeln, sondern es braucht das Wissen und die Erfahrungen vieler Akteur*innen aus unterschiedlichen Bereichen. Der ersten Schritt, das Erkennen und Beschreiben von Mustern, wird in den Fallstudien mit den zehn Baugemeinschaften erfolgen. Diese Studien sollen nicht in Form typischer Interviews durchgeführt werden, sondern wir wollen mit den teilnehmenden Baugemeinschaften eine gestaltungsorientierte und kreative Befragung durchführen, auf deren Basis Fragestellungen, Lösungsansätze und Zusammenhänge der verschiedenen Akteur*innen rund um Baugemeinschaften als visualisierte Koordinaten miteinander in Beziehung gesetzt werden. Das Ergebnis der Interviews wird ein abstrahiert- idealtypischer Stadtplan sein ,auf dem die ersten Erkenntnisse von und über Baugemeinschaften im Stadtraum aus ihrer Sicht dargestellt werden.

Kollaboration Zusammenarbeit II: Die Entwicklung einer Mustersprache

Wenn wir das Feld der Baugemeinschaften kennengelernt haben und die Fallstudien abgeschlossen sind, wollen wir mit den gewonnenen Erkenntnissen weiterarbeiten. Die gefundenen Muster sollen dann zu einer ganzen Mustersprache weiterentwickelt werden. Im Sommer 2018 wird es eine zweitägige Konferenzwerkstatt geben, zu der wir die befragten Baugemeinschaften und andere relevante Akteur*innen und Interessierte aus verschiedenen Städten nach Berlin einladen. In diesen zwei Tagen werden die Ergebnisse aus den Fallstudien vorgestellt . Und es wird mit allen Anwesenden in verschiedenen Werkstätten die Mustersprache gemeinsam vervollständigt. Am Ende soll die Mustersprache wie Handlungsempfehlungen sowohl für Baugemeinschaften als auch für Kommunen „gelesen und gesprochen“ werden können.

…Und was passiert noch?

Eine Forschung lebt davon, dass viele ihr Wissen beitragen und ist nicht auf eine kleine Gruppe beschränkt. Dieser Blog soll für Baugemeinschaften, ihre Netzwerke und alle Interessierten offen sein, ihre Erfahrungen und Ideen miteinander zu teilen. Dafür wird es einen Fragebogen für interessierte Baugemeinschaften, die nicht Teil der Studie sind, geben. Und ebenfalls die Möglichkeit, selber Muster zu schreiben und sich die Muster aus der Studie ansehen zu können. Das wird noch nicht sofort geschehen, sondern erst, wenn unsere erste Recherchen abgeschlossen sind. Über diese werden wir bald mehr berichten und freuen uns jetzt schon auf eine Zusammenarbeit mit euch und Ihnen!